Die Kognitive Stimulation ist Teil der kognitiv-orientierten Behandlungsansätze, welche zu den nicht-pharmakologischen Therapien zählen. Zu den kognitiv-orientierten Therapien gehören die Kognitive Stimulation (CS), das Kognitionstraining (CT) und die Kognitive Rehabilitation (CR). Dieser Artikel beschäftigt sich ausschließlich mit der Wirksamkeit der Kognitiven Stimulation. 

Von den drei genannten Ansätzen weist die Kognitive Stimulation laut aktuellem Forschungsstand die höchste Wirksamkeit bei Menschen mit milder-moderater Demenz. Sie ist auch in den derzeitigen Leitlinien aufgeführt. Ihr Ziel ist die Verbesserung kognitiver und sozialer Fähigkeiten.  

Die Methoden der Kognitiven Stimulation können durch Pfleger oder Therapeuten durchgeführt werden. Es werden zwei Formen der Methodik unterschieden:

Reality Orientation Therapy (ROT):

Eine Typische Situation bei ROT wäre: Eine Pflegeperson oder Therapeutin sitzt mit der Person mit Demenz zusammen und stellt gezielte Orientierungsfragen: 

  • „Welcher Tag ist heute?“ 
  • „Wo befinden wir uns gerade?“ 
  • „Wie heißen Sie?“ 
  • „Was war gestern in den Nachrichten?“ 

Dabei werden Hilfsmittel eingesetzt: 

  • Orientierungstafeln 
  • Kalender 
  • Uhren 
  • Schilder mit Namen/Ort 

ROT ist ein älteres Modell, das häufig als konfrontativ wahrgenommen wurde. Äußert ein dementer Patient beispielsweise den Wunsch „Ich will nach Hause“, obwohl er sich bereits zuhause befindet, wurde dies früher oft direkt korrigiert. Dieses Vorgehen führte nicht selten zu Kritik sowie zu zusätzlichem Stress und Verunsicherung bei den Betroffenen. Aus diesem Grund wird ROT heute in klinischen Settings deutlich seltener eingesetzt. In einer abgemilderten und individuell angepassten Form kann es im häuslichen Umfeld jedoch weiterhin sinnvoll angewendet werden. 

Kognitive Stimulation Therapy (CST) 

CST ist die modernere, breitere Weiterentwicklung. Sie findet typischerweise in Gruppen von 5–8 Patienten über mehrere Wochen statt (klassisch: 14 Sitzungen, 2x pro Woche (ca. 45min) für 7 Wochen). 

Eine typische CST-Sitzung könnte so aussehen: 

  • Begrüßung & Orientierung – Datum, Wetter, aktuelles Thema besprechen 
  • Reminiszenz – z.B. alte Fotos anschauen, über frühere Zeiten sprechen („Wie war das früher bei Ihnen zu Weihnachten?“) 
  • Multisensorische Stimulation: Gegenstände anfassen, Gerüche erraten, Musik hören 
  • Implizites Lernen: Wissen wird unbewusst aufgenommen, z.B. durch Spiele, Lieder oder vertraute Alltagsaktivitäten, ohne dass es sich wie gezieltes Üben anfühlt. 

Die Methoden der Kognitiven Stimulation können sowohl in der Gruppe als auch einzeln durchgeführt werden [5,8]. 

Was passiert bei Kognitiver Stimulation im Gehirn? 

Die genauen Mechanismen, welche CST im Gehirn auslösen, sind derzeit noch unklar. Es gibt jedoch erste Hinweise aus bildgebenden Studien, dass CST sich einerseits auf die funktionelle Konnektivität auswirken und zum anderen positive strukturelle Veränderungen auslösen könnte.  

Funktionelle Konnektivität 

Bei Demenz bzw. Alzheimer sterben Nervenzellen ab und die Verbindungen zwischen ihnen werden schwächer oder gehen ganz verloren. Besonders früh betroffen ist der Hippocampus (eine zentrale Gehirnstruktur für Gedächtnis und Lernen), von dem aus der Zellverlust schrittweise auf benachbarte Regionen übergreift.  

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Gehirnbereiche, die durch kognitive Stimulationstherapie beeinflusst werden können: 

  1. Hippocampus: Der Hippocampus ist eine der zentralen Strukturen für Gedächtnis und Lernen. Er ist maßgeblich an der Speicherung neuer Informationen sowie am Abruf vergangener Erlebnisse beteiligt. Bei Alzheimer gehört er zu den frühesten und am stärksten betroffenen Hirnregionen. 
  2. Posteriorer cingulärer Kortex (PCC): Er spielt eine wichtige Rolle dabei, persönliche Erinnerungen abzurufen, also sich an eigene Erlebnisse und die eigene Lebensgeschichte zu erinnern. Bei Alzheimer gehört er zu den ersten Hirnbereichen, die an Aktivität verlieren und schlechter mit anderen Regionen kommunizieren. 
  3. Bilaterale Parietallappen: Die Parietallappen umfassen zwei funktionell unterschiedliche.Bereiche.  
  4. Postzentraler Gyrus: Der postzentrale Gyrus verarbeitet Körperempfindungen – also alles, was wir tasten, spüren oder wahrnehmen. Er hilft dabei, diese Sinneseindrücke mit Erinnerungen zu verknüpfen. Bei Alzheimer bleiben die Verbindungen zu dieser Region im Vergleich zu den direkten Hippocampus-Nachbarregionen länger intakt. 
  5. Der mediale Parietallappen: Er hilft uns dabei, uns selbst als Person wahrzunehmen – also zu wissen, wer wir sind, wo wir uns befinden und wie wir in Beziehung zu anderen Menschen stehen.  
  6. Der laterale Parietallappen: Er unterstützt das episodische Gedächtnis – also die Fähigkeit, sich an konkrete persönliche Erlebnisse zu erinnern. Beide Bereiche des Parietallappens sind bei Alzheimer früh betroffen und verlieren zunehmend ihre Verbindung zu anderen Hirnregionen. 

CST scheint das Gehirn dazu anzuregen, noch intakte Verbindungen zwischen weiter entfernten Regionen stärker zu nutzen. Es organisiert seine Kommunikation also aktiv um und kompensiert so seinen Schaden. Eine Studie zeigte, dass CST insbesondere die Verbindung zwischen dem Hippocampus und dem postzentralen Gyrus stärkt. Je stärker diese Verbindung wurde, desto besser schnitten die Patienten in Gedächtnistests ab. Ohne regelmäßiges Training nahmen diese Verbesserungen jedoch nach drei Monaten wieder ab [1]. 

Eine weitere Studie zeigte, dass CST die Verbindungen zwischen dem posterioren cingulären Kortex und den medialen und lateralen Parietallappen stärkt. Dadurch sind Betroffene wieder besser in der Lage, sich als zusammenhängende Person wahrzunehmen, eigene Erinnerungen als solche zu erkennen, die eigene Lebensgeschichte besser abzurufen und sich im Alltag und in sozialen Situationen als handelnde Person zu erleben [6]. 

Zudem zeigte sich, dass Patienten mit höherem Bildungsgrad und längerer Berufsausübung stärker von den Effekten profitieren, vermutlich im Sinne der sogenannten kognitive Reserve. Ein über die Lebensspanne aktiv genutztes Gehirn scheint über mehr funktionelle Flexibilität zu verfügen [1,6]. 

Strukturelle Veränderungen 

Bei Demenz verlieren nicht nur Nervenzellen ihre Verbindungen – auch die Gehirnregionen selbst schrumpfen allmählich, was als kortikale Atrophie bezeichnet wird. 

Eine erste Pilotstudie konnte zeigen, dass CST diesen Abbau möglicherweise verlangsamen kann. In der CST-Gruppe blieb die Dicke des Kortex in zwei Regionen des Parietallappens, dem supramarginalen Gyrus und dem postzentralen Gyrus, stabil oder nahm sogar leicht zu, während sie in der Kontrollgruppe wie erwartet weiter abnahm. Beide Regionen sind an Sprachverarbeitung, verbalem Gedächtnis und Körperwahrnehmung beteiligt. 

Besonders bedeutsam: Je stärker die Kortexdicke in diesen Regionen erhalten blieb, desto besser schnitten die Patienten in kognitiven Tests ab – ein direkter Zusammenhang zwischen struktureller Erhaltung und Funktion in Form von kognitiver Leistung [7]. 

Die bisherige Forschung zu den Auswirkungen von CST auf das Gehirn steckt noch in den Anfängen. Die vorhandenen Studien haben meist sehr wenige Teilnehmer und sind methodisch schwer vergleichbar. Die beschriebenen Effekte sind daher als vielversprechende erste Hinweise zu verstehen, nicht als gesicherte Fakten. Um wirklich verstehen zu können, was CST im Gehirn bewirkt, braucht es künftig größere und besser vergleichbare Studien. 

Gehirnareale die bei Demenz betroffen sind und durch kognitive Stimulation postiv beeinflusst werden können

Abbildung 1. Anatomische Darstellung relevanter Hirnregionen, die durch kognitive Stimulationstherapie beeinflusst werden. Erstellt mit ChatGPT am 12.05.2026 (OpenAI, 2026). 

Wie wirkt kognitive Stimulationstherapie bei Demenzbetroffenen? 

Studien zeigen, dass CST besonders das allgemeine Denkvermögen stärkt. Dies wird anhand standardisierter Tests wie dem MMSE und dem ADAS-Cog gemessen, die verschiedene geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Orientierung, Aufmerksamkeit, Sprache und räumliches Denken prüfen. [3]. 

Bis zu 90 % der Menschen mit Demenz leiden zusätzlich unter psychischen und verhaltensbezogenen Symptomen, darunter Depression, Angst, Apathie, Unruhe, Aggressivität, zielloses Umherlaufen, Wahn oder Halluzinationen. Ob CST diese Symptome positiv beeinflussen kann, lässt sich derzeit noch nicht klar beantworten. Einige Studien berichten positive Effekte, andere hingegen nicht. Die Forschungslage ist widersprüchlich – und viele Studien haben zudem nur sehr wenige Teilnehmer, was verlässliche Aussagen zusätzlich erschwert [2,3,4] 

Bei welchen Demenzformen ist es einsetzbar?  

Studien zeigen, dass kognitive Stimulationstherapie vor allem bei leichter bis mittelschwerer Demenz wirksam ist. Sowohl bei Alzheimer als auch bei vaskulärer Demenz verbessert sich durch CST nachweislich das allgemeine Denkvermögen. Langfristig zeigen sich jedoch Unterschiede: Alzheimer-Patienten verbessern sich eher hinsichtlich der depressiven Symptomatik, während Menschen mit vaskulärer Demenz größere Gewinne in Lebensqualität und sprachlichen Fähigkeiten verzeichnen [9]. 

Fazit 

Kognitive Stimulationstherapie ist derzeit die wirksamste nicht-pharmakologische Therapie für Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz und verbessert nachweislich das allgemeine Denkvermögen. Der große Pluspunkt dabei: Im Gegensatz zu pharmakologischen Optionen wurden in den Pilotstudien bereits strukturelle und funktionelle Verbesserungen nach kognitiver Stimulationstherapie nachgewiesen, und das ganz ohne Nebenwirkungen! Bei begleitenden Symptomen wie Depression oder Unruhe bleibt die Forschungslage noch widersprüchlich. 

Die Therapie muss allerdings regelmäßig durchgeführt werden, um ihre Wirkung zu erhalten – ähnlich wie Sport, der nur dann etwas bringt, wenn man dabeibleibt. Angesichts begrenzter medikamentöser Möglichkeiten und einer wachsenden Zahl an Betroffenen bietet CST eine vielversprechende und völlig nebenwirkungsfreie Ergänzung in der Demenzversorgung – es lohnt sich also! 

Es gibt auch in Deutschland ambulante Möglichkeiten zur CST-Therapie. Informieren Sie sich am besten bei Gedächtnisambulanzen, neurologischen oder psychiatrischen Kliniken und regionalen Alzheimer-Beratungsstellen über CST-Therapieangebote in Ihrer Nähe. Verschiedene Telemedizinzentren bieten mittlerweile auch virtuelle CST-Therapie-Möglichkeiten an. 

Besonders wirkungsvoll ist CST in Kombination mit körperlichem Training. Mehr dazu erfahren Sie hier. 

Referenzen  

  1. Behfar, Q., Richter, N., Kural, M., Clemens, A., Behfar, S. K., Folkerts, A.-K., Fassbender, R., Kalbe, E., Fink, G. R., & Onur, O. A. (2023). Improved connectivity and cognition due to cognitive stimulation in Alzheimer’s disease. Frontiers in Aging Neuroscience, 15. https://doi.org/10.3389/fnagi.2023.1140975 
  2. Calderone, A., Marra, A., De Luca, R., Latella, D., Corallo, F., Quartarone, A., Tomaiuolo, F., & Calabrò, R. S. (2025). Multisensory Stimulation in Rehabilitation of Dementia: A Systematic Review. Biomedicines, 13(1), 149. https://doi.org/10.3390/biomedicines13010149 
  3. Cao, Y., Wang, N., Zhang, Q., Shen, N., Bai, J., Luo, X., & Liu, Y. (2023). Effects of cognitive stimulation therapy on patients with dementia: An umbrella review of systematic reviews and meta-analyses. Experimental Gerontology, 177, 112197. https://doi.org/10.1016/j.exger.2023.112197 
  4. Desai, R., Leung, W. G., Fearn, C., John, A., Stott, J., & Spector, A. (2024). Effectiveness of Cognitive Stimulation Therapy (CST) for mild to moderate dementia: A systematic literature review and meta-analysis of randomised control trials using the original CST protocol. Ageing Research Reviews, 97, 102312. https://doi.org/10.1016/j.arr.2024.102312 
  5. Gómez-Soria, I., Iguacel, I., Aguilar-Latorre, A., Peralta-Marrupe, P., Latorre, E., Zaldívar, J. N. C., & Calatayud, E. (2023). Cognitive stimulation and cognitive results in older adults: A systematic review and meta-analysis. Archives of Gerontology and Geriatrics, 104, 104807. https://doi.org/10.1016/j.archger.2022.104807 
  6. Liu, T., Spector, A., Mograbi, D. C., Cheung, G., & Wong, G. H. Y. (2021). Changes in Default Mode Network Connectivity in Resting-State fMRI in People with Mild Dementia Receiving Cognitive Stimulation Therapy. Brain Sciences, 11(9). https://doi.org/10.3390/brainsci11091137 
  7. Loureiro, L. M., Bertrand, E., van Duinkerken, E., Laks, J., Marinho, V., Bomilcar, I., Naylor, R., Wong, G., Spector, A., & Mograbi, D. C. (2025). Structural brain changes in people with dementia receiving Cognitive Stimulation Therapy: Preliminary findings. International Journal of Clinical and Health Psychology, 25(4), 100643. https://doi.org/10.1016/j.ijchp.2025.100643 
  8. Paggetti, A., Druda, Y., Sciancalepore, F., Della Gatta, F., Ancidoni, A., Locuratolo, N., Piscopo, P., Vignatelli, L., Sagliocca, L., Guaita, A., Secreto, P., Stracciari, A., Caffarra, P., Vanacore, N., Fabrizi, E., Lacorte, E., Caffarra, P., Guaita, A., Secreto, P., … the Italian Dementia Guideline Working Group. (2025). The efficacy of cognitive stimulation, cognitive training, and cognitive rehabilitation for people living with dementia: A systematic review and meta-analysis. GeroScience, 47(1), 409–444. https://doi.org/10.1007/s11357-024-01400-z 
  9. Piras, F., Carbone, E., Domenicucci, R., Sella, E., & Borella, E. (2024). Does Cognitive Stimulation Therapy show similar efficacy in individuals with mild-to-moderate dementia from varying etiologies? An examination comparing its effectiveness in Alzheimer’s disease and vascular dementia. International Journal of Clinical and Health Psychology, 24(4), 100510. https://doi.org/10.1016/j.ijchp.2024.100510

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