Lithiumsalze wurden über Jahrhunderte hinweg als Gesundheitstonikum geschätzt. Natürliche Lithiumquellen galten lange als begehrte Kurorte und zogen zahlreiche Schriftsteller, Politiker und andere Prominente an. Besonders im 19. Jahrhundert und noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein fand Lithium als Mineralstoffzusatz breite Verwendung zur Anreicherung unterschiedlichster Lebensmittel und Getränke. Ein bekanntes Beispiel ist das Erfrischungsgetränk Seven-Up, das bis 1950 Lithiumcitrat enthielt. Ursprünglich wurde es gezielt wegen seiner stimmungsaufhellenden Eigenschaften vermarktet und sollte zudem helfen, die Folgen übermäßigen Alkoholkonsums zu lindern.
In den letzten Jahren hat das Element Lithium zunehmend an Aufmerksamkeit gewonnen, insbesondere durch den Nachweis seiner Essentialität als Spurenelement sowie durch seine neuroprotektiven Effekte. Besonders die mikrodosierte Lithiumgabe erscheint aufgrund ihrer multifaktoriellen molekularen Mechanismen als vielversprechender Ansatz für die Prävention und adjuvante Therapie der Alzheimer-Erkrankung.
Molekulare Wirkmechanismen
Die molekulare Grundlage des neuronalen Schutzes von Lithium wurde 2025 von De Paula et al. in einer Übersichtsarbeit anhand vielfältiger Mechanismen in Tiermodellen und Zellkulturen charakterisiert [1]:
- Hemmung der Glykogensynthase-Kinase-3β, kurz GSK-3β, was zu einer Reduktion der Tau-Protein-Hyperphosphorylierung führt und so die Bildung neurofibrillärer Tangles mindert
- Verringerung der Aβ-Plaque-Ansammlung
- Hemmung neuroinflammatorischer Prozesse via NF-κB-Reduktion sowie Mikroglia-Aktivierung
- Förderung der Neurogenese durch Erhöhung der BDNF-Expression
- Schutz vor oxidativem Stress und Autophagie-Aktivierung (über Nrf2)
- Verlängerung der Telomere, was auf eine Anti-Aging-Wirkung hinweist
- Verbesserung der synaptischen Integrität und damit verbundene Gedächtnisverbesserung
- Reduktion neuronaler Apoptose (=Vermindertes Absterben von Nervenzellen)
Klinische Relevanz
Die vielversprechenden präklinischen Daten aus Tiermodellen und Zellkulturen konnten auch in Humanstudien bestätigt werden. In einer randomisierten klinischen Studie, der sogenannten „Lit-AD-Studie" zeigte niedrig-dosiertes Lithium bei Alzheimer-Patienten gute Verträglichkeit und Biomarker-Verbesserungen, wie z.B. weniger Aß-Plaques und höheres BDNF.BDNF steht für Brain-Derived Neurotrophic Factor und ist ein Protein, das essenziell für das Wachstum, die Überlebensfähigkeit und Differenzierung von Neuronen ist [2].
Zudem belegen Meta-Analysen aus den Jahren 2024 und 2025 die kognitive Stabilisierung bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) und Alzheimer durch niedrigdosiertes Lithium. In epidemiologischen Studien korrelierte Lithium-Mangel mit höherem Demenzrisiko [3].
Terao & Kodama führten 2024 einen interessanten Vergleich durch: in ihrer Meta-Analyse wurden die Ergebnisse der Meta-Analysen mit Lithium denen der Anti-Amyloid-Antikörper-Therapie (wie Aducanumab, Lecanemab und Donanemab) gegenübergestellt. Demnach wurde Lithium im Vergleich zu monoklonalen Antikörpern als effektiveres Mittel für kognitive Funktion mit bester Toleranz und Akzeptanz beim Patienten bewertet und wäre diesen in der Therapie der Alzheimer-Krankheit und leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) überlegen [3,4].
Die folgende Tabelle zeigt einen Vergleich der klinischen Kennzahlen [3,4]:
| Parameter | Lithium (Mikrodosis) | Aducanumab | Lecanemab | Donanemab |
|---|---|---|---|---|
| Primärer Wirkansatz | GSK‑3β‑Hemmung, ↓Tau, ↓Aβ, NF‑κB‑Modulation, Autophagie↑ | Aβ-Plaque-Reduktion | Aβ-Plaque-Reduktion | Aβ-Plaque-Reduktion |
| Kognitive Effekte (MMSE) | Signifikant besser als Aducanumab und Placebo | Geringe bis moderate Effekte, teils inkonsistent | Keine vergleichbaren Daten | Keine vergleichbaren Daten |
| Progressionsrisiko (MCI/Alzheimer) | 45-56% Reduktion | 22% Reduktion (umstritten) | 27% Reduktion (nur MCI) | 35% Reduktion (nur MCI) |
| Jahreskosten | 90-250 € | 25.000-30.000 € | 20.000-25.000 € | 25.000-30.000 € |
| Nebenwirkungen | Sehr gutes Sicherheitsprofil | 13-37% Hirnödeme (ARIA-E) und/oder Hirnblutungen (ARIA-H), regelmäßige MRT-Kontrollen nötig | 13-37% Hirnödeme (ARIA-E) und/oder Hirnblutungen (ARIA-H), regelmäßige MRT-Kontrollen nötig | 13-37% Hirnödeme (ARIA-E) und/oder Hirnblutungen (ARIA-H), regelmäßige MRT-Kontrollen nötig |
Praktische Umsetzung
Für Prävention oder Therapie wird von Michael Nehls niedrig dosiertes Lithium in Form von Lithiumorotat empfohlen. Lithiumorotat ist die bevorzugte Form gegenüber Lithiumcarbonat oder freiem Lithium (z. B. Heilwasser), da es stabilere Spiegel, bessere Hirnpenetration und längere Halbwertszeit bietet. Zudem ist es in Mikrodosen nebenwirkungsarm und daher potenziell auch für eine langfristige Anwendung geeignet. [5,6,7]
Es kommt vor allem bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und Multipler Sklerose zum Einsatz. Außerdem wird es bei Krankheitsbildern und Beschwerden wie Brain Fog, Depressionen, Long-COVID, Post-Vac-Syndrom, chronischen Kopfschmerzen, Epilepsie sowie während eines Alkoholentzugs verwendet. Die Einnahme erfolgt nach Verordnung aus geprüften Apotheken, da Lithiumorotat immer noch rezeptpflichtig ist. Dr. Michael Nehls bemüht sich derzeit um die offizielle Anerkennung von Lithium als essentielles Spurenelement, um damit die Freigabe für den Verkauf als Nahrungsergänzungsmittel zu erreichen. Trotz Petitionen und Publikationen bleibt Lithium aber in der EU nicht als essenziell anerkannt und ist als Supplement weiterhin rezeptpflichtig [7].
Dosierungsempfehlungen
Präventiv/essentiell:
1 mg elementares Lithium /Tag (entspricht ca. 26 mg Lithiumorotat), um Mangel auszugleichen und Neuroinflammation vorzubeugen.
Therapeutisch:
2–5 mg elementares Lithium /Tag (ca. 52–130 mg Lithiumorotat), z. B. bei Depression, MCI/Alzheimer, Brain Fog, Long-COVID etc. bis Symptome abklingen
Monitoring
Bei der Langzeiteinnahme sollten unbedingt die Lithium-Spiegel im Vollblut überwacht werden. Der präventive Zielbereich im Vollblut liegt zwischen 25 und 350 µg/L (entspricht ca. 3 – 50 µmol/L). Im Vergleich zum Serum-Monitoring bei der konventionellen psychiatrischen Lithiumtherapie ist diese Analyse im Vollblut deutlich empfindlicher und wird von spezialisierten Laboren wie Biovis angeboten [7].
Fazit
Das essentielle Spurenelement Lithium hat sich als vielversprechender Kandidat mit nachweislich neuroprotektiven Eigenschaften erwiesen, da es in mikrodosierter Form die Prävention und adjuvante Therapie der Alzheimer-Krankheit unterstützt.
Klinische Studien und Meta-Analysen bestätigen die kognitive Stabilisierung und Überlegenheit gegenüber teuren Anti-Amyloid-Antikörper-Therapien bei besserer Verträglichkeit und um Größenordnungen geringeren Kosten.
Für die Praxis eignet sich mikrodosiertes Lithiumorotat (1–5 mg elementares Lithium pro Tag, je nach Indikation) mit Monitoring im Vollblut.
Referenzen:
- De-Paula, V. J. R., Radanovic, M., & Forlenza, O. V. (2025). Lithium and neuroprotection: a review of molecular targets and biological effects at subtherapeutic concentrations in preclinical models of Alzheimer's disease. International journal of bipolar disorders, 13(1), 16. https://doi.org/10.1186/s40345-025-00386-7
- Devanand, D. P., Strickler, J. G., Huey, E. D., Crocco, E., Forester, B. P., Husain, M. M., Vahia, I. V., Andrews, H., Wall, M. M., & Pelton, G. H. (2018). Lithium Treatment for Agitation in Alzheimer's disease (Lit-AD): Clinical rationale and study design. Contemporary clinical trials, 71, 33–39. https://doi.org/10.1016/j.cct.2018.05.019
- Shen, Y., Zhao, M., Zhao, P., Meng, L., Zhang, Y., Zhang, G., Taishi, Y., & Sun, L. (2024). Molecular mechanisms and therapeutic potential of lithium in Alzheimer's disease: repurposing an old class of drugs. Frontiers in pharmacology, 15, 1408462. https://doi.org/10.3389/fphar.2024.1408462
- Terao, I., & Kodama, W. (2024). Comparative efficacy, tolerability and acceptability of donanemab, lecanemab, aducanumab and lithium on cognitive function in mild cognitive impairment and Alzheimer's disease: A systematic review and network meta-analysis. Ageing research reviews, 94, 102203. https://doi.org/10.1016/j.arr.2024.102203
- Pacholko, A. G., & Bekar, L. K. (2021). Lithium orotate: A superior option for lithium therapy?. Brain and behavior, 11(8), e2262. https://doi.org/10.1002/brb3.2262
- Strawbridge, R., Myrtle, S., Carmellini, P., Hampsey, E., Cousins, D. A., & Young, A. H. (2025). A Survey Exploring People's Experiences With Lithium Bought as a Supplement: Une enquête sur l'expérience des personnes avec le lithium en supplément. Canadian journal of psychiatry. Revue canadienne de psychiatrie, 70(10), 782–795. https://doi.org/10.1177/07067437251328282
- Nehls, M. (2025). Das Lithium-Komplott: Plädoyer für ein essentielles Spurenelement – Der verbotene Schlüssel zur mentalen Gesundheit. Mental Enterprises
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