Ein Affenkopf gegen die Vergesslichkeit  

3 Minuten LesezeitVeröffentlicht am: 29. Mai 2024Von Kategorien: Behandlungsformen, Pflanzenstoffe, Prävention

Mit Affenkopf ist nicht etwa der behaarte Kopf eines Affen gemeint, sondern ein Speisepilz namens Hericium erinaceus. Seinen ungewöhnlichen Kosenamen verdankt der Pilz seiner Form und den langen weißen Fäden, die an einen Affenkopf oder eine Löwenmähne erinnern. Der Pilz wird in der chinesischen Medizin seit langem vor allem gegen Verdauungsstörungen eingesetzt und rückt nun aufgrund seiner zahlreichen bioaktiven Substanzen zunehmend in den Fokus der Demenzforschung. Besondere Beachtung finden dabei zwei sekundäre Pflanzenstoffgruppen, die aus dem Myzel bzw. dem Fruchtkörper gewonnen werden: Hericenone und Erinacine. Diese haben vor allem in Tier- und Molekularstudien neuroprotektive Wirkungen gezeigt. 

Diese Pflanzeninhaltsstoffe können nach Tier- und Molekularstudien die Krankheit auf verschiedene Weise beeinflussen. Sie hemmen Amyloid-Ablagerungen, wirken oxidativem Stress entgegen, reduzieren Entzündungen im Gehirn, fördern das Wachstum von Nervenzellen und regulieren die Signalübertragung zwischen Nervenzellen [1]. 

Klinische Studie bringt neue Erkenntnisse 

Eine Studie aus dem Jahr 2020 konnte die neuroprotektive Wirksamkeit von Hericium erinaceus bei Alzheimer-Patienten im frühen Stadium nachweisen. Bei der Studie handelt es sich um eine einjährige, doppelblinde, randomisierte, Placebo-kontrollierte Pilotstudie. Die Forscher teilten 41 Probanden, davon 17 Männer und 24 Frauen (> 50 Jahre), bei denen eine leichte Form der Alzheimer-Krankheit diagnostiziert wurde, in eine Interventions- und eine Placebogruppe ein. Letztere diente als Kontrollgruppe, während die Interventionsgruppe 49 Wochen lang täglich drei Kapseln mit Hericium erinaceus-Pulver einnahm. Eine Kapsel enthielt 350 mg Hericium erinaceus mit jeweils 5 mg/g Erinacin A, das als einer der wichtigsten neuroprotektiven Inhaltsstoffe des Pilzes gilt. 

Vor der Intervention wurden sowohl kognitive Tests wie CALI, MMSE, AIDL, NPI durchgeführt als auch verschiedene Biomarker im Blut bestimmt. Während der Intervention wurden die kognitiven Tests und Biomarker in den Wochen 13, 25 und 49 wiederholt, um mögliche Veränderungen zu erfassen. 

Studienergebnisse

Im Vergleich zur Interventionsgruppe zeigte die Placebogruppe bereits nach 25 Wochen eine Verschlechterung im CALI-Test, was darauf hindeutet, dass die Supplementierung mit Hericium erinaceus Gedächtnisverlust, Aufmerksamkeitsverlust, Problemlösungsverhalten, visuelles und räumliches Vorstellungsvermögen sowie Sprachverlust, die typischerweise bei der Alzheimer-Krankheit auftreten, vermindern kann. 

Weiterhin konnte in der Interventionsgruppe ab der 49. Woche eine signifikante Verbesserung im MMSE-Test beobachtet werden. Dies wiederum bedeutet eine Verbesserung des Gedächtnisses, der Merkfähigkeit, der Aufmerksamkeit, der Rechenfähigkeit, der Sprachfähigkeit sowie der räumlichen Orientierung. 

Darüber hinaus gab es ab Woche 49 auch einen signifikanten Unterschied zwischen der Interventions- und der Placebogruppe in der erreichten Punktzahl im IADL-Test. Dieser Test misst die Selbstständigkeit von Alzheimer-Patienten in Alltagssituationen wie Telefonieren, Einkaufen, Kochen, Haushaltsführung, Wäschepflege, Nutzung von Verkehrsmitteln oder Medikamenteneinnahme. Die Supplementierung mit Hericium erinaceus war somit in der Lage, den Patienten mehr Selbstständigkeit in ihren Alltag zu bringen. Dies ist besonders wichtig, da Menschen mit fortschreitender Demenz immer unselbständiger und pflegebedürftiger werden, was ihr Leben und somit auch ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. 

In der Interventionsgruppe konnten zudem Blutmarker wie Calcium, Albumin, Hämoglobin, Homocystein, Superoxiddismutase, BDNF, APOE4 und α-ACT verbessert werden. Diese Veränderungen deuten auf positive Veränderungen im Gehirn hin, die möglicherweise den kognitiven Abbau und damit das Fortschreiten der Demenz verlangsamen können [2]. 

Die Studie beweist, dass Hericium erinaceus dem ständigen Vergessen und der zunehmenden Pflegebedürftigkeit von Alzheimer-Patienten entgegenwirken kann und bestätigt damit die Ergebnisse zweier anderer Studien, die bereits 2009 und 2010 durchgeführt wurden [3, 4]. 

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Referenzen 

  1. Brandalise, F., Roda, E., Ratto, D., Goppa, L., Gargano, M. L., Cirlincione, F., Priori, E. C., Venuti, M. T., Pastorelli, E., Savino, E., & Rossi, P. (2023). Hericium erinaceus in Neurodegenerative Diseases: From Bench to Bedside and Beyond, How Far from the Shoreline? Journal of Fungi, 9(5), Article 5. https://doi.org/10.3390/jof9050551 
  2. Li, I.-C., Chang, H.-H., Lin, C.-H., Chen, W.-P., Lu, T.-H., Lee, L.-Y., Chen, Y.-W., Chen, Y.-P., Chen, C.-C., & Lin, D. P.-C. (2020). Prevention of Early Alzheimer’s Disease by Erinacine A-Enriched Hericium erinaceus Mycelia Pilot Double-Blind Placebo-Controlled Study. Frontiers in Aging Neuroscience, 12. https://doi.org/10.3389/fnagi.2020.00155 
  3. Mori, K., Inatomi, S., Ouchi, K., Azumi, Y., & Tuchida, T. (2009). Improving effects of the mushroom Yamabushitake (Hericium erinaceus) on mild cognitive impairment: A double-blind placebo-controlled clinical trial. Phytotherapy Research, 23(3), 367–372. https://doi.org/10.1002/ptr.2634 
  4. Saitsu, Y., Nishide, A., Kikushima, K., Shimizu, K., & Ohnuki, K. (2019). Improvement of cognitive functions by oral intake of Hericium erinaceus. Biomedical Research, 40(4), 125–131. https://doi.org/10.2220/biomedres.40.125 

 Bild von https://de.wikipedia.org/wiki/Igel-Stachelbart 

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