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Vitamin-E-Supplemente und die Alzheimer-Krankheit: eine neue Studie belegt die Wichtigkeit der Zusammensetzung  

4,1 Minuten LesezeitVeröffentlicht am: 26. Januar 2022Von Kategorien: Antioxidantien, Behandlungsformen, Mikronährstoffmängel, Prävention, Ursachen

Die Verwendung von Vitamin-E-Präparaten zur Vorbeugung und Behandlung der Alzheimer-Krankheit wird seit langem untersucht und ist nach wie vor umstritten: In der wissenschaftlichen Literatur finden sich widersprüchliche Berichte über positive und negative Ergebnisse von Vitamin E (eine Übersicht über die Studienlage hinsichtlich Vitamin E und Alzheimer finden Sie auf der KsD-Seite – Vitamin E) 

Was man aber sicher weiß, ist, dass oxidativer Stress eine wichtige Rolle bei der Neurodegeneration spielt, und dass kaum ein Zweifel an der starken antioxidativen Wirkung von Vitamin E besteht. Diese Tatsache hat das Interesse als mögliche Option für Alzheimer-Patienten geweckt.   

Der Begriff „Vitamin E“ bezeichnet eine Gruppe von acht fettlöslichen Verbindungen, die natürlicherweise in bestimmten Lebensmitteln vorkommen und aus vier Tocopherolen und vier Tocotrienolen bestehen, von denen jede eine alpha-, beta-, gamma- und omega-Isoform aufweist. Von den acht Isoformen des Vitamin E nimmt unser Körper das Alpha-Tocopherol am besten auf, weshalb es die am meisten untersuchte Form ist und auch am häufigsten in handelsüblichen Vitamin-E-Ergänzungsmitteln enthalten ist.  

In den Studien fiel allerdings auf, dass es einige Unterschiede gibt zwischen den Wirkungen von Vitamin-E-Ergänzungsmitteln, die in der Regel hauptsächlich alpha-Tocopherol enthalten, und Vitamin-E-Quellen, wie sie natürlicherweise in der Nahrung vorkommen. Diese Tatsache gab Anlass zu neuen Forschungen über andere Bestandteile von Vitamin E, wie gamma-Tocopherol und das Spektrum der Tocotrienole (siehe Infobox). 

Alpha-Tocopherol ist ein starkes Antioxidans, das in der Lage ist, aggressive freie Radikale wie reaktive Sauerstoffspezies und Wasserstoffperoxid zu neutralisieren und damit unschädlich zu machen. Auch beeinflusst es die Signalübertragung der Zellen und das Aus- und Anschalten von denjenigen, Genen, die an der Entwicklung der Alzheimer-Krankheit beteiligt sind. 

Aufgrund der kontroversen Ergebnisse früherer Studien über Vitamin E – einige zeigten positive Auswirkungen auf die Verzögerung des kognitiven Verfalls und den Schutz vor Alzheimer, andere wiederum zeigten keinerlei Vorteile – wurde die Hypothese aufgestellt, dass andere Formen des Vitamin E eine wichtigere Rolle beim Schutz des Gehirns vor oxidativem Stress spielen könnten als das alpha-Tocopherol.   

Die Begründerin der Mind-Diät, Dr. Martha Clare Morris, hat ebenfalls betont, dass der Verzehr von Vitamin-E-reichen Lebensmitteln die kognitiven Leistungen von Demenzpatienten verbessern kann und dass ihr Konsum gefördert werden sollte. In ihren Studien fand sie heraus, dass sich der kognitive Abbau bei Menschen über 65 Jahren umso langsamer vollzieht, je höher der Anteil an Vitamin E in der Nahrung ist. Ein Video dazu finden Sie in unserer Mediathek. 

Genau mit dieser Frage beschäftigte sich nun eine neue In-vitro-Studie: Hier verglichen die Forscher die Wirkung von Alpha- und Gamma-Tocopherol in zellulären Alzheimer-Modellsystemen und erhielten interessante Ergebnisse, die weitere Informationen über die Wirkung von Vitamin E und seinen verschiedenen Komponenten liefern. 

In dieser Studie wurden spezielle Zellen mit Mutationen in Alzheimer-Genen verwendet, die, wie das Alzheimer-kranke Gehirn, Amyloid-Beta-Proteine bilden, die Bestandteile der Alzheimer-spezifischen Plaques darstellen. Diese „Alzheimer-Zellen“ wurden unterschiedlichen Konzentrationen von Alpha- und Gamma-Tocopherol ausgesetzt. Das beeindruckende Ergebnis war, dass beide Formen von Vitamin E in der Lage waren, die Amyloid-Beta-Menge im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle zu verringern. Dabei war diese Verringerung in den mit Gamma-Tocopherol behandelten Zellen stärker ausgeprägt war im Vergleich zur Alpha-Tocopherol-Behandlung. Die Autoren fanden weiterhin heraus, dass Gamma-Tocopherol bei der Verbesserung der Mitochondrienfunktion und der Verhinderung der Apoptose (programmierter Zelltod) eine stärker wirksam war als die Alpha-Form. Wie wir bereits wissen, sind die Mitochondrien die Energielieferanten jeder Zelle. Ihre Funktion wird durch das Vorhandensein von Beta-Amyloiden in frühen Stadien der Krankheit beeinträchtigt und somit führt eine mitochondriale Störung zur Neurodegeneration und zum Absterben von Gehirnzellen.  

Trotz vieler Einschränkungen aufgrund des stark vereinfachten Testsystems liefert diese Studie weitere Belege für die antioxidative und präventive Funktion verschiedener Vitamin-E-Komponenten bei der Alzheimer-Krankheit.  Sie bestätigt, dass der Verzehr von Lebensmitteln, die reich an diesem Vitaminkomplex sind, stets gefördert werden sollte. Weiterhin betont sie auch die Notwendigkeit, in weiteren klinischen Studien Nahrungsergänzungsmittel zu erforschen, die verschiedene Formen von Vitamin E enthalten, um deren Wirksamkeit angemessen bewerten zu können.  

Was diese Studie gezeigt hat, ist hier nochmals im Überblick dargestellt: 

  • Im Vergleich zu Alpha-Tocopherol hat Gamma-Tocopherol eine geringere Bioverfügbarkeit (d.h. es wird nicht so gut aufgenommen), aber eine höhere antioxidative Wirkung.
  • Gamma-Tocopherol ist in der Lage, den durch reaktive Stickstoffspezies ausgelösten oxidativen Stress zu verringern. Dieser sogenannte nitrosative Stress wird durch freie Radikale verursacht, die von anderer Natur als die bekannten reaktiven Sauerstoffspezies sind (Nitrosativer Stess oder abgekürzt „Nitro-Stress“ bezeichnet die übermäßige Bildung von Stickoxid (Stickstoffmonoxid) und seiner Zwischenprodukte Peroxinitrit und Nitrotryosin im Stoffwechsel.) 
  • Gamma-Tocopherol ist bei der Reduzierung von Beta-Amyloid aus den Gehirnzellen wirksamer als Alpha-Tocopherol 
  • Gamma-Tocopherol verbessert die Funktion der Mitochondrien (Zellkraftwerke) und hemmt die Apoptose (programmierter Zelltod) 
  • Andere Formen von Vitamin E haben eine hohe antioxidative Wirkung und sollten in künftigen klinischen Studien berücksichtigt werden.

Fazit: 

Vitamin E ist ein starkes Antioxidans und wird daher seit langem als vielversprechende Ergänzung zur Behandlung und Vorbeugung der Alzheimer-Krankheit untersucht. Viele Studien zeigen jedoch unterschiedliche und widersprüchliche Ergebnisse. Einer der Hauptgründe für diese Verwirrung ist vermutlich die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln, die nur eine Form von Vitamin E enthalten: das Alpha-Tocopherol. Eine neue Studie hat gezeigt, dass eine andere Vitamin E-Komponente, das Gamma-Tocopherol, wirksamer ist als Alpha-Tocopherol, und zwar nicht nur in Bezug auf die antioxidative Wirkung, sondern auch durch die Verbesserung der mitochondrialen Funktion und die Verringerung der Beta-Amyloid-Ablagerungen, die zu den Alzheimer-spezifischen Plaques führen.  

Diese Daten bekräftigen bereits, dass der beste Weg, um in den Genuss der Vorteile dieses Mikronährstoffs zu kommen, eine Vitamin-E-reiche Ernährung ist. Es wäre aber auch wichtig, neue Studien durchzuführen, bei denen eine Kombination verschiedener Isoformen von Vitamin E verwendet wird, damit seine Vorteile als Nahrungsergänzungsmittel für Alzheimer-Patienten endlich richtig bewertet werden können. 

Studien-Referenz: 

Pahrudin Arrozi A, Shukri SNS, Wan Ngah WZ, Mohd Yusof YA, Ahmad Damanhuri MH, Jaafar F, Makpol S. Comparative Effects of Alpha- and Gamma-Tocopherol on Mitochondrial Functions in Alzheimer’s Disease In Vitro Model. Sci Rep. 2020 Jun 2;10(1):8962. doi: 10.1038/s41598-020-65570-4. PMID: 32488024; PMCID: PMC7265356. 

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