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Optimale Gehirn-Gesundheit durch Integrative Funktionelle Medizin

4.9 Minuten LesezeitVeröffentlicht am: 15. September 2021Von Kategorien: Behandlungsformen, Prävention, Ursachen

Ein Gastbeitrag von Dr. Stefan Bogdanov (www.gehirn-gesundheit.ch)

Stefan Bogdanov

Über den Autor:

Der Biochemiker und Gesundheitscoach Dr. Stefan Bogdanov praktiziert in der Schweiz die Prinzipien der Functional Medicine. Seine Kompetenzen liegen in der Erhaltung der Gehirn-Gesundheit, Herz- und Gefässgesundheit sowie der Behandlung der chronischen Müdigkeit. Weitere Informationen finden Sie hier ».

Die neurodegenerativen Hirn-Erkrankungen wie Alzheimer, Multiple Sklerose und Parkinson nehmen weltweit zu: Auffällig ist, dass vor allem Menschen in Zivilisationsländern hiervon betroffen sind.

Die Gründe hierfür sind vielfältig: Die Lebenserwartung steigt und so auch das durchschnittliche Alter der Gesellschaften, die Umweltbelastung nimmt zu, der Lebensstil wird ungesünder.

So sehr die Pharmaindustrie auch daran interessiert ist, eine Wunderpille dagegen zu finden, alle bisherigen Versuche blieben erfolglos. Das Rätsel der chronischen Gehirn-Krankheiten kann nur gelöst werden, wenn wir uns von der Symptom-Unterdrückung abwenden, und die zugrunde liegenden Ursachen in den Fokus der Diagnostik und Behandlung rücken. Die drei oben genannten und besonders häufig vorkommenden neurodegenerativen Gehirn-Krankheiten stehen – wie wir mittlerweile wissen – mit einer von Vielzahl von Einflüssen in Verbindung:

  • Risikofaktoren: Genetik, Alter und Geschlecht
  • Umwelt: Schadstoffe, Elektromagnetische Felder (EMF)
  • Lebensstil: Ernährung, körperliche- und geistige Aktivität, Stress und Schlaf
Grafik: Lifestyle Gehirnmedizin

Bild 1: Lifestyle Gehirnmedizin, mit Genehmigung von https://www.gehirn-gesundheit.ch/

Nur die individualisierte Lebensstil-Medizin kann die neurodegenerativen Prozesse stoppen und sogar umkehren

Trotz teurer Forschung gibt es bis zum heutigen Tag bislang kein Medikament, welches Alzheimer stoppen oder heilen kann. Das kürzlich neu in den USA zugelassene Medikament Aduhelm (wir berichteten) kann den Alzheimerprozess nicht aufhalten, im Gegenteil: die Krankheit schreitet weiter voran und es verursacht darüber hinaus bei jedem dritten Patienten schwerwiegende Nebenwirkungen. Auch die Medikamente gegen Multiple Sklerose und Parkinson vermindern lediglich die Symptome der Krankheiten, können aber die Hirn-Degeneration nicht aufhalten, so dass sich in der Regel die Krankheitssymptome mit der Zeit verschlimmern.

Hoffnung bietet allerdings der ganzheitliche Ansatz der integrativen funktionellen Medizin (Functional Medicine), welche die unterschiedlichen Wurzel-Faktoren für jede Hirn-Krankheit und für jeden Patienten sucht und diese mit gesundem Lebensstil behandelt. Das entspricht dem Konzept einer personalisierten Präzisionsmedizin.

Alle neurodegenerative Erkrankungen sind langandauernde Prozesse. Um einen optimalen Erfolg zu erzielen, sollte jede dieser Erkrankungen in einem möglichst frühen Stadium des degenerativen Prozesses behandelt werden.

Alzheimer

Alzheimer ist die neurodegenerative Krankheit, die am häufigsten auftritt. Im Alter zwischen 65-69 Jahren sind ca. 1,5 % der Bevölkerung davon betroffen. Mit dem Alter nimmt die Häufigkeit stark zu, so ist bei über 90-Jährigen bereits jede dritte Person daran erkrankt. Deshalb ist wird in diesem Bereich am intensivsten geforscht.

Die Arbeitsgruppen von Dale Bredesen und Richard Isaacson, USA, wendeten die Methode der individualisierten Lebensstil-Medizin bei 300 Patienten im frühen bzw. Vorstadium von Alzheimer erfolgreich an.  Für jeden Patienten wurde ein individueller Therapieplan ausgearbeitet, mit dem die mangelhaften Lebensstil-Ungleichgewichte therapiert wurden. Im Durchschnitt musste jeder Patient regelmässig ca. 15 bis 20 verschiedene Lebensstil-Massnahmen befolgen. Diese Maßnahmen betreffen Diät, Bewegung, Stress, geistige Aktivität, soziale Vernetzung und Schlaf der Versuchsteilnehmer. Diese erfolgreiche Lebensstil-Therapie muss lebenslang vom Patienten ausgeführt und angepasst werden, um die Krankheit erfolgreich in Schach zu halten (weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier).

Multiple Sklerose (MS)

Das MS-Risiko bei der Bevölkerung liegt im Schnitt bei ca. 0,1 %.  Die Krankheit tritt meistens zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Es handelt sich um eine multifaktorielle Autoimmun-Erkrankung.

Prof. George Jelinek aus Australien hat eine Lebensstil-Methode entwickelt und sie zusammen mit seinen Mitarbeitern an 2500 MS-Patienten aus der ganzen Welt erfolgreich angewendet. Die Methode zielt darauf, den Einsatz der Medikamente zu minimieren, oder auf sie ganz zu verzichten.  Auf https://overcomingms.org kann man dieses Programm kennenlernen und die entsprechenden Publikationen lesen.

Auch Prof. Terry Wahls aus den USA hat eine ähnliche Methode entwickelt. Bitte schauen Sie hierfür unter  www.terrywahls.com.

Ausgehend von Prof. Jelineks Ansatz hat die DSGiP schon 2015 das Projekt “Life-SMS Lebensstilstrategien bei Multipler Sklerose” ins Leben gerufen, in welchem über die Zusammenhänge zwischen Lebensstil und MS und den darauf beruhenden eigenverantwortlichen Behandlungsmaßnahmen regelmäßig berichtet wird (siehe unten).

Parkinson

Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung, durchschnittlich sind 0,1 bis 0,2 % der Bevölkerung davon betroffen. Sie tritt meist erst nach dem 50. Lebensjahr auf. Im Alter ist die Erkrankung deutlich häufiger: Ab 70 Jahren sind etwa 2% der Menschen davon betroffen.

Von allen drei genannten Erkrankungen ist bei Parkinson die Lebensstil-Therapie am wenigsten ausgereift. Bislang gibt es noch keine Publikationen über erfolgreiche Anwendung der Functional Medicine in Bezug auf Parkinson. Es gibt aber viele Veröffentlichungen und Bücher über positive Effekte eines gesunden Lebensstils auf die Erkrankung. Die angewendeten Maßnahmen behandeln die gleichen Ursachen wie auch bei Alzheimer und MS, nur die Gewichtung und somit die Bedeutung der verschiedenen Faktoren ist anders. Auch hier ist von einer maßgeschneiderten Lebensstil-Therapie die Rede.

Umsetzung der Functional Medicine in die Praxis

Multiple Sklerose

In den anglosächsischen Ländern ist die Lebensstil-Therapie nach Jelinek und Wahls schon verbreitet. In Europa steckt ihre Anwendung – abgesehen vom Life-SMS-Projekt – noch in den Kinderschuhen.

Alles zum Projekt finden Sie hier: https://lifesms.blog/

Der Life-SMS Ansatz beruht auf sechs Säulen. Nur eine davon, und tatsächlich auch die ‘schmalste’, stützt sich dabei auf die Wirkung von Pharmazeutika. Sonne und Vitamin D, Ernährung und Mikronährstoffe, Darmflora und Mikrobiom, Sport und Training, Stressreduktion und psychisches Gleichgewicht sind die entscheidenden Elemente, welche diesem Ansatz nach für die Behandlung der Multiplen Sklerose im Fokus stehen. Die genannten Zusammenhänge werden in der Mindmap zur Life-SMS Methodik übersichtlich dargestellt.

Alzheimer

Auch die Lebensstil-Therapie zur Behandlung der Alzheimer-Erkrankung steckt in Europa noch in den Anfängen und ist in medizinischen Kreisen wie auch in der Bevölkerung sehr wenig bekannt. In den USA gibt es schon ein breites Angebot an Functional Medicine Therapien, auch online, z.B. unter www.apollohealthco.com und  www.theneuroplan.com.

Ausblick

Das Konzept der Functional Medicine ist in den USA schon recht verbreitet und erfolgreich. Dort existiert ein anderes Modell der medizinischen Versorgung, bei der die Selbstinitiative der Versicherten eine grosse Rolle spielt. In Europa ist die Functional Medicine praktisch unbekannt. Gleichermaßen verbreiten die offiziellen Medien immer noch den Mythos der Unheilbarkeit der neurodegenerativen Erkrankungen.

Eine Umkehr der medizinischen Versorgung in Europa tut not. Bei diesem neuen Modell müsste die Prävention und die Selbstverantwortung des Patienten eine viel grössere Rolle spielen und die Kosten vor allem auch von den gesetzlichen Kassen übernommen werden. Die Ärzte sollten in Teams mit Ernährungsspezialisten, Gesundheitscoaches, Bewegungscoaches, Meditations- und Yoga-Lehrern und mit anderen Fachpersonen zusammenarbeiten. Die Praktizierenden in der Functional Medicine in den USA arbeiten bereits mit diesem Modell.

Auch sollte die Ausbildung der Naturheilkunde auf Universitätsniveau gehoben werden und somit einen geregelten Ausbildungs- und Prüfungsplan erhalten, nach dem Vorbild in den anglosächsischen Ländern. Denn die Functional Medicine stellt höchste Ansprüche an medizinisches und zugleich auch biochemisches Wissen und wäre eine wirklich wirksame Waffe im Kampf gegen alle chronischen Krankheiten.

Ausführliche weitere Informationen über viele Aspekte der Hirn-Gesundheit gibt es auf www.gehirn-gesundheit.ch

Detailinformationen sind unter den folgenden Links verfügbar:

Photo by Daniel Öberg on Unsplash

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